Unsere Zeitung


Neben dieser Homepage und unserem Blog behandeln wir die Themen, die unser Wirken leiten, 3 bis 4 mal im Jahr auch in unserer Zeitung. In dieser finden Sie neben interessanten Artikeln, in welchen wir zu aktuellen Geschehen Stellung nehmen, insbesondere auch ausführliche Informationen über unsere laufenden Aktivitäten.

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Bereits erschienene Zeitungen finden sie im Archiv


Die Zeitung „AKTUELL 2021/2“ erscheint am 21. September 2021. Die Zeitung als PDF-Format (927 KB) finden Sie hier.


Wir gratulieren!!!!

Am 17. August, wurde die Wiener Neustädter Schriftstellerin Annemarie Moser, ein langjähriges Vorstandsmitglied unseres Vereines, 80 Jahre alt . Mit einem literarischen Abend bei der „Bibliothek im Zentrum“ im Rahmen des Kultursommers bereiteten ihr Autorenkolleginnen und -kollegen ein ganz besonderes Geburtstagsfest. Neben dem Geburtstagskind selbst lasen dabei Horst Hahn, Maximilian Huber und Peter Mömken vom „Club Poesie“, die Präsidentin des „P.E.N Club Niederösterreich“ Susanne Dobesch sowie Sabine Schmitner vom Stadtarchiv Wiener Neustadt. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Wiener Neustädter Musiker Josef „Schneckerl“ Schultner (Quelle „Meinbezirk“).

AKTION MITMENSCH gratuliert nochmals herzlich!


„Wir – eine gemeinsame Rückkehr in die Normalität?”

Liebe Mitmenschen!

Die Aktivistinnen und Aktivisten der Aktion Mitmensch Wiener Neustadt melden sich vorsichtig zurück.

Wir versuchen im Herbst 2021 unser normales Vereinsleben wieder aufzunehmen, Hilfesuchenden Unterstützung zukommen lassen und mit aller gebotenen Vorsicht, am Dienstag den 19. Oktober 2021, um 18 Uhr, im Bildungszentrum St. Bernhard am Domplatz zu Wiener Neustadt, eine Veranstaltung, unter allen Corona-Vorsichtsregeln, zu organisieren.

Die promovierte Kulturwissenschaftlerin Frau Dr. Judith Kohlenberger, die derzeit am Institut für Sozialpolitik an der WU Wien tätig ist, wird in unserer Reihe „Aktion Mitmensch im Gespräch mit…..” zu einem der wichtigsten Themen des menschlichen Zusammenlebens Stellung nehmen: dem „WIR”.

Wir erlauben uns einige Gedanken Frau Kohlenbergers über das Thema zu zitieren:

„Wir. Wie leicht uns dieses Wort über die Lippen kommt. Wir sind ein Paar, wir sind eine Familie, wir sind Freunde, wir sind eine Gemeinschaft, wir sind eine Nation. Wir sind nicht die Anderen. Oder?

Sehen wir genau hin: Wer ist das Wir in welchem Kontext? Welches Wir wählen wir selbst, welches wird uns zugeschrieben durch Herkunft, Beruf, Status? Wann wird das Wir zu einem Werkzeug der Ausgrenzung? Und wie beschreiten wir den Weg hin zu einem inklusiveren Wir?”

In klaren Worten und mit Feingefühl plädiert Judith Kohlenberger für ein starkes, wagemutiges Wir, das Wachstumsschmerzen nicht scheut und Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Chance auf Weiterentwicklung und echte Teilhabe begreift. Selten wurde und wird in Zeiten der Corona-Lockdowns und der Pandemie so oft ans „Wir” appelliert, wie in diesen außergewöhnlichen und herausfordernden Zeiten. In fast täglichen Pressekonferenzen, Liveschaltungen und Video-Sprechstunden riefen Bundeskanzler, Vizekanzler und die MinisterInnenriege zu Einheit und Solidarität auf:

„Jetzt müssen wir zusammenhalten!”, „Gemeinsam schaffen wir das!”, „Wir bleiben zuhause!”, „Wir lassen niemanden zurück!”.

Die kontinuierliche An- und Ausrufung eines nationalen Schulterschlusse verdeutlichte bei näherer Betrachtung aber rasch, dass das inflationäre Wir nicht nur Einheit schaffen, sondern auch Spaltung erzeugen kann. Mitunter waren unter dem vermeintlich allumfassenden Wir nur ganz bestimmte AdressatInnen gemeint: Der Bundeskanzler wandte sich beharrlich an die „Österreicherinnen und Österreicher” und klammerte so bewusst oder unbewusst die 1,4 Millionen in Österreich lebenden Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft aus.

Die Krise verengte also den Blick, führte aber gleichzeitig vor Augen, wer schon lange vor COVID-19 systematisch vom Wir ausgeschlossen blieb: Geflüchtete Menschen mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft, undokumentierte MigrantInnen, persons of color – in Österreich sind das oft Menschen, die eben nicht der bürgerlichen Mittelschicht angehören.

Es ist und es muss ein anderes Wir möglich sein. Ein Wir, das niemanden zurücklässt! Ein Wir das nicht auf Ausgrenzung oder Abwertung beruht, sondern auf ein Miteinander und ein Füreinander.”

Über dies und noch viel mehr Wir-Themen werden wir mit Frau Dr. Kohlenberger diskutieren und freuen uns schon herzlich darauf.

Dr. Judith Kohlenberger wurde 1986 in Eisenstadt geboren, Sie forscht zu Fluchtmigration, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe. 2019

wurde sie mit dem Kurt-Rothschild-Preis für eine der europaweit ersten Studien zum Fluchtherbst 2015 ausgezeichnet. Sie lehrt an der TU Wien und der FH Wien, schreibt für FALTER Think Tank und engagiert sich im Expertenrat „Migration.Integration.Teilhabe” sowie im Vorstand vom „migrant” und „frida Asyl- und Fremdenrechtsberatung”.

Die Zitate unter Anführungszeichen stammen aus dem Buch: Judith Kohlenberger, „Wir” Kremayr & Scheriau Verlag

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buch-wirLiebe Mitmenschen!

Wir beobachten die Pandemiesituation natürlich genauestens. Ob die Veranstaltung stattfinden kann, können Sie gerne erfahren unter:

Tel.: 02622/21505 (Maximilian Huber 9 – 18 h)
Mail: office@buecher-hikade.at erfahren.

Achten Sie auf sich und

Liebe Grüße

wünscht Ihnen Maximilian Huber

Sprecher der Aktion Mitmensch Wiener Neustadt

Wir sind für Sie da!
Montag bis Freitag: 9 Uhr bis 18 Uhr
Samstag: 9 Uhr bis 12 Uhr
Bücher HIKADE
Herzog Leopold Strasse 23, Wiener Neustadt


Ein Denkmal

Am Friedhof in Felixdorf, in einem abgegrenzten Bereich rechts nach dem Eingang, steht ein von Efeu umranktes Denkmal. Was hat es damit auf sich?

Es steht im Zusammenhang mit dem Bau des Südostwalls in den letzten Monaten vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Es sollte eine gewaltige Verteidigungsanlage entstehen, die entlang der östlichen Abhänge der Bergrücken von Bratislava bis Bad Radkersburg reichen und die heranrückenden Truppen der Roten Armee aufhalten sollte – sich dann aber als weitgehend wirkungslos erweisen sollte.

Etwa 300.000 Menschen waren ab Oktober 1944 am Bau des Walls beteiligt – zwangsverpflichtete ortsansässige Bevölkerung, Angehörige der Hitlerjugend, Ostarbeiter und etwa 30.000 ungarische Juden und Jüdinnen. Vorwiegend Frauen, Kinder und ältere Personen wurden von den Pfeilkreuzlern gezwungen, in Gewaltmärschen von Budapest nach Zurndorf zu marschieren, wurden dort übergeben und zur Zwangsarbeit eingeteilt. Ein Teil davon kam zum Schanzen am Südostwall. Der größere Teil der eingesetzten Ungarn waren Zwangsdienstverpflichtete des ungarischen Militärs (Juden war der Dienst mit der Waffe untersagt).

Die Ungarn wurden auf verschiedene Lager entlang des Südostwalls aufgeteilt, wo sie zumeist dicht gedrängt in ungeheizten Unterkünften unter unfassbaren hygienischen Bedingungen hausen mussten. Sie hatten Demütigungen, gewaltsame Übergriffe durch die Wachmannschaften und Erschießung bei kleinsten Delikten zu ertragen. Ernährung mit Hungerrationen standen im krassen Widerspruch zu den geforderten schweren Arbeiten. Hilfe aus der Bevölkerung wurden meist mit Drohen einer Verhaftung unterbunden. Aus den katastrophalen hygienischen Bedingungen und den Läuseplagen resultierten oft Epidemien von Flecktyphus oder Gelbfieber, deren Übergreifen auf die Ortsbevölkerung zumeist mit Erschießen der Erkrankten oder Quarantäne und sterben lassen verhindert wurde. Dass es auch anders ging, bewiesen einige wenige kleinere Lager, wo trotz der schweren, kräfteraubenden Arbeit kaum Opfer zu beklagen waren.

Die Gauleitungen, denen die Lager unterstanden, suchten nach Möglichkeiten, sich der Arbeitsunfähigen zu entledigen. Konzentrationslager konnten davon keine aufnehmen, da sie durch den Rückzug der östlich gelegenen Lager überfüllt waren. Anfang Dezember 1944 erklärte sich das SEK¹ bereit, ein „Erholungslager“ für 2.600 Frauen in Lichtenwörth einzurichten.

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Noch vor einer Regelung für die 2.700 männlichen Arbeitsunfähigen wurden sie gesammelt, in 35 Waggons gepfercht und auf die Reise geschickt. Nach einer 17tägigen Irrfahrt durch Steiermark, Westungarn, Wien und Niederösterreich erhielt endlich Wilhelm Vrtoch den Auftrag ein Lager zu errichten. Mangels einer besseren Möglichkeit wählte er dafür die durch Bomben schwer beschädigte Engelmühle² in Felixdorf aus. Das Gebäude war unbeheizt, hatte keine Fensterscheiben und der Großteil der Insassen musste auf dem nackten Betonboden schlafen. Der Rest nächtigte bei Eiseskälte im Hof im Freien. Schikanen und Misshandlungen waren an der Tagesordnung. 600 Arbeitsfähige wurden an Betriebe in der Umgebung abgegeben, so dass der Lagerstand danach 2.087 betrug.

Bald danach brach Flecktyphus aus und der überforderte Lagerleiter unternahm dagegen fast nichts. Der Amtsarzt von Felixdorf durfte als „arischer“ Arzt Juden nicht behandeln und sorgte nur für die ordentliche Bestattung der Opfer in Massengräbern. Nur 75 bis 80 Menschen überlebten das Lager.

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2.000 Opfer des „Erholungslagers“ in Felixdorf wurden außerhalb der Friedhofsmauer bestattet. Der respektvolle Umgang mit den Toten ist dem damaligen Bürgermeister Lorenz Frasel³ zu verdanken, der als Landwachtmann die Leiden der Lagerinsassen miterlebt hatte und im Volksgerichtsverfahren als Zeuge gegen Wilhelm Vrtoch ausgesagt hatte. Dieser wurde im Jänner 1948 zu 18 Jahren schweren Kerkers verurteilt, aber bereits im Juli 1953 durch Amnestie bedingt aus der Haft entlassen.

Das Areal des Massengrabes, wo bereits 1950 die Gemeinde einen Gedenkstein setzte, wurde von der Israelischen Kultusgemeinde zu einem jüdischen Friedhof erklärt.

Anton Blaha

Quelle: Eleonore Lappin-Eppel: Ungarisch-Jüdische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Österreich 1944/45, Arbeitseinsatz – Todesmärsche – Folgen, LIT-Verlag Berlin (2010)

¹ Sondereinsatzkommando, Führung Adolf Eichmann
² Nach dem Krieg Weberei und später Pottendorfer Spinnerei und Felixdorfer Weberei AG
³ Lorenz Frasel (1890-1961), Bürgermeister 1924 – 1961


Ende gut – alles gut?

Bei meinen „Rumänen“ herrschte auf Grund der Pandemie lange Zeit „Funkstille“. Ich telefonierte zwar einige Male mit C., wobei das durch die mangelnden Sprachkenntnisse mehr als unbefriedigend war. C. kann noch immer sehr wenig Deutsch. Gibt sie sich keine Mühe oder kann sie es einfach nicht?

Einmal ist der Vater weg, dann kommt ihre Mutter die auf die Kinder aufpasst wenn C. arbeitet. Ich bläue ihr ständig ein, dass sie ihre Familienmitglieder auf der Gemeinde anmeldet, wenn sie länger da sind. Ob sie es tut entzieht sich meiner Kenntnis. Ihre Antwort lautete wie so oft „ja, ja“.

Das größte Highlight war, dass sie durch meine Vermittlung einen neuen Arbeitsplatz fand. Ich hoffe, dass jetzt alles halbwegs für längere Zeit gut geht.

Inzwischen habe ich meinen Wohnort gewechselt, bin nicht mehr so in der Nähe von C. Sie hat sich schon länger nicht gemeldet. Auch von den 2 Kindern höre ich nichts Neues. Ob sie mit dem homeschooling zurechtgekommen sind? Ich fürchte nein.

Anderseits hätte sie sich bei gröberen Schwierigkeiten gemeldet. Vielleicht tu sie es einmal.

Ich wünsche ihr viele Glück und denke noch oft auf die schönen Momente, die strahlenden Augen der Kinder und an die Erleichterung, wenn wieder mal eine schier aussichtslose Situation gemeistert werden konnte.

Katharina Brenner


Einladung-Kohlenberger

Anschrift: c/o Maximilian Huber, Reyergasse 7/10, 2700 Wiener Neustadt.
Redaktion: Maximilian Huber, Anna Seif, Katharina Brenner, Anton Blaha

Druck: DRUCK UND WERBUNG, Molkereistraße 6, 2700 Wiener Neustadt

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