Unsere Zeitung


Neben dieser Homepage und unserem Blog behandeln wir die Themen, die unser Wirken leiten, 3 bis 4 mal im Jahr auch in unserer Zeitung. In dieser finden Sie neben interessanten Artikeln, in welchen wir zu aktuellen Geschehen Stellung nehmen, insbesondere auch ausführliche Informationen über unsere laufenden Aktivitäten.

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Die Zeitung „AKTUELL 2019/1“ erscheint am 08. Februar 2019. Die Zeitung als PDF-Format (1,33 MB) finden Sie hier.

Hier die Beiträge


LIEBE MITMENSCHEN!

2018 war, wie wir alle wissen ein turbulentes Jahr, politisch, gesellschaftlich, klimatisch und für viele, auch privat.

Unser Verein hat sein 25 jähriges Bestehen gefeiert. Wir danken allen großzügigen Unterstützern für ihre Spenden und Hilfeleistungen und wir hoffen, das auch Sie uns im neuen Jahr 2019 weiterhin treu bleiben.

Wir werden ein scharfes Auge auf die Menschenrechte und all seine Gegner haben.

Mit optimistischen Grüßen

Ihr Maximilian Huber


„Die Vergletscherung Österreichs”

Der große österreichische Filmregisseur Michael Haneke hat zwischen den Jahren 1989 und 1997 vier Kinofilme gedreht ( “Der siebente Kontinent”, “Benny´s Video”, “71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls” und “Funny Games” ), die Kritiker und Fans gerne unter dem Sammelbegriff – die Vergletscherung der Gefühle – summiert haben. Obwohl der Regisseur dies heute nicht mehr gerne hört, hat er in diesen Filmen doch einen scharfen wenn nicht sogar prophetischen Blick in die Zukunft geworfen.  Die Protagonisten seiner Filme vereisen innerlich, sind nicht mehr fähig ihre Gefühle zu kommunizieren und zerbrechen schlussendlich an ihren Leiden. Mit ihnen zerbrechen die sozialen Bindungen und auf lange Sicht die Gesellschaft. Heute sind wir in dieser dystopischen Szenerie angekommen: Eine Gesellschaft die sich entsolidarisiert hat, durch den Druck von zwei Regierungsparteien denen es mit Hilfe des Boulevards gelungen ist, die Schwächsten der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen, die fundamentale Sozialleistungen kürzt oder streicht, die Asylsuchende, Migranten, integrierte Zuwanderer und Österreicher mit Migrationshintergrund sekkiert und an den Rand der Armut und Existenz drängt. Schwache Oppositionsparteien, die lieber mit sich selbst beschäftigt sind, tragen ihr übriges zum gruseligen Szenario bei und viele der Betroffenen, haben Schlechteres zu tun als sich zu solidarisieren, sie bewerfen sich in den “sozialen Medien” mit Hass und Häme.

Ein Beispiel einer fatalen gesellschaftlichen Fehlentwicklung:

Gewalt an Frauen 

Dass Mörder und ihre Opfer oft im gleichen Haus wohnen ist bekannt. Die Zahl derartiger Beziehungstaten nahm in den letzten Jahren zu. Expertinnen kritisieren, dass es über die Art der familiären Beziehung keine Daten gibt.

Ein Fall, gelesen in der Tageszeitung “Der Standard”, vom 25. November 2018:

Mehr als 50-mal. So oft sticht Ende März ein 55-Jähriger mit einem Küchenmesser auf seine Frau ein. Die beiden befinden sich in der Küche des gemeinsamen Hauses. Wenige Momente zuvor unterhielten sie sich über die Scheidung, für die sie sich aussprach, und die Aufteilung des Vermögens. Nachdem der Mann “unzählige Male” auf die auf dem Boden liegende Frau eingestochen hatte, wusch er laut eigenen Angaben das Messer ab und rief die Polizei. Die 48-Jährige ist tot. Im Oktober wurde der Mann des Mordes schuldig gesprochen und zu 14 Jahren Haft verurteilt. 36 Frauen wurden im Jahr 2018 durch ihre (Ex-)Partner oder Familienmitglieder ermordet.

Dass die Täter im gleichen Haus wohnen gilt für die meisten Morde an Frauen. Häusliche Gewalt betrifft alle Schichten der Gesellschaft. Für wirkungsvollen Gewaltschutz brauche es mehr Ressourcen bei den Behörden. Was hat die türkis-blaue Regierung jedoch gleich nach Regierungsantritt getan? Ein Gewaltschutzreferat im Innenministerium wurde geschlossen, unzählige Förderungen für Frauenberatungen, –initiativen, Frauenhäuser oder Gewaltschutzzentren wurden gekürzt oder gar zur Gänze gestrichen.

Vergangenes Jahr flohen 3.261 Frauen und Kinder in Frauenhäuser. Schätzungsweise jede fünfte Frau in Österreich ist körperlicher, psychischer und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt, jede siebente Frau ist ab ihrem 15. Lebensjahr von Stalking betroffen.

Zuflucht und Beratung finden betroffenen Frauen und Kinder in einem der 26 Frauenhäuser und in Gewaltschutzzentren bzw. Interventionsstellen, die es in jedem Bundesland gibt.

Vor 20 Jahren war Österreich das erste Land in Europa, das per Gesetz Personen – in erster Linie Frauen und Kinder – vor Gewalt im familiären Umfeld schützte. Im Mai 1997 wurde das Gewaltschutzgesetz in Österreich erlassen, das klarstellte: Gewalt ist keine Privatsache, sondern eine Straftat. Und: Der Täter ist derjenige, der gehen muss.

Größere Kampagnen zur Bewusstmachung, dass Gewalt gegen Frauen im gesellschaftlichen Konsens unerwünscht ist, fehlen leider.

Die Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen weisen seit Jahrzehnten auf das Sicherheitsrisiko “häusliche Gewalt” für Frauen hin. “Schlimm ist, dass viele Frauen ihr Leben verlieren müssen, damit Bewegung in den Gewaltschutz kommt”, sagt Maria Rösslhumer, die langjährige Geschäftsführerin des AÖF – Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser und Leiterin der Frauenhelpline.

Der GREVIO-Bericht empfiehlt den flächendeckenden Ausbau von Beratungsstellen für Frauen und Mädchen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Die Frauen- und Mädchenberatungsstellen beraten und begleiten teilweise seit über drei Jahrzehnten Frauen und Mädchen in schwierigen Lebenssituationen. Und gerade in Wiener Neustadt gibt es das Beispiel von hervorragenden und niederschwelligen Beratungseinrichtungen wie dem Verein Wendepunkt und dem Verein Auftrieb – Jugend-, Sucht- und Sexualberatung.

Wünschenswert wäre auf lange Sicht ein pädagogisches Gewaltpräventionsprogramm oder –unterricht in Kindergärten und Schulen, eine bessere Information der Bevölkerung über Schutz- und Beratungseinrichtungen, sowie ein Zusammensetzen aller Behörden und NGO´s um kürzere Wege in der Hilfestellung zu gewährleisten.

 Maximilian Huber


Die kostenlose Frauenhelpline: 0800 222 555

24-Stunden-Frauennotruf: 0171719

Rat auf Draht: 147 

Verein wendepunkt: 02622/82 5 96 office@wendepunkt.or.at 

Auftrieb Jugend-, Sexual- und Suchtberatungsstelle: 02622/27 777 beratung@auftrieb.co.at


Elazar Benyoëtz  – „Ein großer Bürger unserer Stadt kehrt wieder“

 Elazar Benyoetz“Alles Vorhaben rechnet mit Nachsicht-

Wir nehmen uns vor

und kommen nicht nach,

machen einen Schritt

und legen den Weg zurück:

Die Zukunft sitzt uns im Nacken

was steht nicht alles in den Sternen,

was kommt uns alles nicht entgegen,

tritt uns zu nah – und lässt uns hinter sich”

Mit diesen Worten beginnt der wunderschöne Band “Was sich ereignet, findet nicht statt” des vor 81 Jahren geborenen, gebürtigen Wiener Neustädters, Elazar Benyoëtz.

Elazar Benyoetz buchDer Dichter wurde 1937 als Paul Koppel, in Wiener Neustadt, geboren. Schon als zweijähriger musste er 1939 vor den Nationalsozialisten fliehen und fand in Palästina eine neue Heimat. Früh machte sich Benyoëtz einen Namen als hebräischer Dichter, kehrte Israel danach jedoch für einige Zeit den Rücken, um sich in Österreich und Deutschland die jüdisch-deutsche Dichtung zu erschließen.

In Berlin gründete er die “Bibliographia Judaica”, eine inzwischen auf 21 Bände angewachsene einzigartige Dokumentation deutsch-jüdischer Literatur und Geistesgeschichte. Gleichzeitig begann er fast ausschließlich in deutscher Sprache zu veröffentlichen. Sein lyrisches und aphoristisches Werk ist seit 1957 in mehr als 45 Buchausgaben erschienen. Sein Schaffen wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a mit dem Adalbert von Chamisso-Preis (1988) und dem Joseph-Breitbach-Preis (2002).

Am 12. 12. 2018 las Elazar Benyoëtz in Wiener Neustadt unter anderem aus seinem neuesten Buch “Feindeutig”.

Am Vortag wurde er vom Land Niederösterreich mit der Verleihung des Ehrenzeichens des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.

Elazar Benyoëtz lebt heute mit seiner Frau, der bildenden Künstlerin Metavel (Renee Koppel), in Tel Aviv und Jerusalem.

Einige Zitate von Elazar Benyoëtz

„Aufrecht ist man um so verwundbarer, jedoch nicht mehr verletzlich.“

„Die Welt ändert sich nicht, es ändern sich nur die Wünsche, sie zu verändern.“

„Frieden gäbe es nur dann, wenn die Menschen nicht bloß gegen den Krieg, sondern auch gegen das Siegen wären.“

„Suche den Schutz des Schwachen, und er wird zum Löwen.“

„Im Missverständnis findet jeder erleichtert Unterschlupf.“

 


Mein Eintauchen in eine, mir bisher noch nicht bekannte, rumänische Mentalität,…

hatte Ende Oktober vergangenen Jahres begonnen. Eines Abends im Zug traf ich C., eine junge rumänische Frau, welche ich durch zufällige Begegnungen in meiner Ortschaft kannte. Erst beim Aussteigen kamen wir ins Plaudern. Dieses Gespräch war der Beginn einer äußerst interessanten Bekanntschaft, die viele Aufgaben für mich bereithielt und welche mich damals und auch heute noch, vor einigen Herausforderungen stellte und stellen wird.

Nachdem wir gemeinsam aus dem Zug stiegen, fragte mich C., ob ich Betten für sie hätte die ich nicht mehr brauche, denn sie würde welche benötigen, da sie keine ordentlichen besäße.

Armut ist mir normalerweise nicht unbedingt fremd. Viele Menschen, die wie ich aus einer Wohlstandsgesellschaft kommen, kennen Armut oft hauptsächlich aus den Medien oder sie werden bei Reisen durch ärmere Länder damit unweigerlich konfrontiert. Doch trotzdem zu hören, dass jemand kein Bett besitzt, noch dazu unmittelbar in der eigenen Nachbarschaft, war für mich dann doch recht schockierend und beklemmend. Ich sagte ihr, dass ich bestimmt irgendwo auf dem Dachboden Betten hätte, oder mit Sicherheit jemanden kenne der welche verschenken könnte. Sie freute sich ungeheuerlich, wollte mich gleich nach Hause begleiten, um bei mir am Dachboden nachzusehen. Es war aber schon recht spät und ich versicherte ihr, dass ich sie am nächsten Morgen besuchen werde. Mit unglaublicher Freude und Dankbarkeit umarmte sie mich und diese ungezwungene, in diesem Ausmaß ausgedrückte echte Dankbarkeit und Freude, war für mich ungewohnt. Ich wollte mir unbedingt ein Bild ihrer Wohnsituation machen und so verabschiedeten wir uns voneinander.

Endlich hatte ich die Möglichkeit, tatkräftig jene Menschen zu unterstützen, die Hilfe so dringend nötig haben. Es war für mich eine Herausforderung und ein großer Ansporn. Ich besuchte sie dann auch am nächsten Morgen bei ihr zu Hause, und so konnte ich mich selbst davon überzeugen.

Schon beim Betreten der winzigen Wohnung, bestätigte sich mir ihre Notlage. C. führte mich durch ihre kleine, 40 m² Wohnung. Der Eingangsbereich ist gleichermaßen eine kleine Küche die mit zwei schäbigen Kästchen, einem sehr schlecht funktionierenden Kühlschrank, einem Waschbecken, einem Elektrokocher mit nur einer funktionierenden Kochplatte und einer winzigen Arbeitfläche ausgestattet ist.

Geradeaus anschließend an der Küche, befinde ich mich in einem Bad von schätzungsweise fünf Quadratmetern. Hier ist ein Waschbecken mit einer kaputten Armatur (es fehlt der Warmwassergriff) an der Wand montiert, eine Toilette (ebenfalls mit kaputtem Sitz) und einer unglaublich schlampig angefertigten Dusche, als hätte sie ein Betrunkener verfliest. Installationsröhren und Montageschaum lugen an diversen Stellen aus den Wänden.

Rechts von der Küche ausgehend komme ich ins Wohnzimmer. Besser gesagt Wohn-Schlafzimmer, das mit einem großen „Bett“ (einer auf Schalbetonsteinen drapierten Holzplatte, welche als Lattenrost dient, darauf eine alte Federkernmatratze), einem kleinen Tisch mit zwei wackeligen Stühlen, einem Röhrenfernseher, einer Couch und einem dahinterstehendem Regal, das mit einem Vorhang verhangen wurde, alles sehr verbraucht wirkend, möbliert war. Kein Teppich, keine Bilder, der gesamte Raum wirkt recht ungemütlich.

Anschließend daran, führt eine Tür in ein acht Quadratmeter kleines Kinderzimmer. Hier steht ein ebenfalls provisorisches, allerdings kaputtes Bett, auf dieselbe Weise konstruiert wie das im Wohnzimmer. Dieses nimmt beinahe den gesamten Raum ein. Als Stauraum dient ein kaputter Kasten, vermutlich vom Sperrmüll. Keine Bettwäsche, kein Teppich, desolate Steckdosen und Lichtschalter. Nichts lässt darauf hindeuten, dass ich mich in einem Kinderzimmer befinde.

C. und ich setzten uns nach der Führung durch die Wohnung an den kleinen Tisch im Wohnzimmer. Bei frisch gekochtem Kaffee erzählte sie mir, aufgrund der ihr fehlenden Deutschkenntnisse mit Händen und Füßen von Rumänien, von ihrer Zeit hier in Österreich, ihrer Arbeit und ihrer Familie, wobei ich später noch die Gelegenheit haben werde sie kennenlernen.

Sie selbst kam mit ihren zwei Kindern, einem zehnjährigen Mädchen und einem neun Jahre alten Sohn, im Februar des Vorjahres nach Österreich, nachdem ihr Lebensgefährte, im Januar zuvor Selbstmord begangen hatte. Er erhängte sich, infolge einer depressiven Erkrankung, im gemeinsamen Haus in Rumänien. Für C. Grund genug, um mit ihren Kindern nach Österreich zu ihren Eltern zu flüchten, um dort dem Grauen zu entkommen und um hier in Österreich ein besseres Leben zu führen, doch dies sollte sich in keiner Weise als einfach herausstellen!
… Fortsetzung folgt

Kathi Brenner


Einladung zur Jahresversammlung

AKTION MITMENSCH

WIENER NEUSTADT

Mittwoch, 6. März 2019, 18.30 Uhr

Café Restaurant „Einhorn“

Singergasse 15, 2700 Wiener Neustadt 

Programm:

· Rückblick auf Aktivitäten und Veranstaltungen des vergangenen Jahres

· Bericht der Kassierin

· Bericht der Rechnungsprüfer

· Gemütliches Beisammensein

Damit wir weiter arbeiten können, bitten wir Sie um Ihren Mitgliedsbeitrag für das Jahr 2019.

Auch für Spenden sind wir, und jene denen wir damit helfen können dankbar.


einladung schulmeister


 

Eigentümer & Herausgeber: AKTION MITMENSCH WIENER NEUSTADT
Anschrift: c/o Maximilian Huber, Reyergasse 7/10, 2700 Wiener Neustadt
Redaktion: Maximilian Huber, Anna Seif, Jan Müller, Kathi Brenner
Druck: REPA.neo, Grazer Straße 89, 2700 Wiener Neustadt


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